Das Meisterjahr

 

 

Saison Rückblick 2005/2006

 

Vorsaison

Was war das für eine Saison? Köln zum ersten mal in der Vereinsgeschichte Meister, grandiose Spiele im FIBA Cup gezeigt, begeistert gespielt, die Fans sind immer zusammen gewachsen. Einfach eine Saison der Superlative. Es gab zwar genauso Niederlage und Negatives zu berichten aber dies gehört ja zu jeder Sportart.

Am 09.09.2005 war der Kader komplett. Was gab es hier für Diskussionen. Altstars wie Obradovic, Edwards und Pesic mussten ersetzt werden. Von großen Spielernamen wurde geträumt, aber was kam? Unbekannte Spieler aus Frankreich, der 2. italienischen Liga, kleineren Colleges, ein Spieler mit kürzlich erlittenem Kreuzbandriss. Dazu noch ein Trainerneuling, der den recht beliebten Coach Andres beerbte. Wie tief waren zu diesem Zeitpunkt die Erwartungen der Kölner Fans gesunken und wie schlecht wurde diese Mannschaft von Basketballdeutschland geredet. Da hieß es nur noch: „Wir kommen gerade mal so in die PlayOffs“, „Im FIBA Cup blamieren wir uns nur“, „Wir haben niemals eine Chance gegen Durchschnittsmannschaften“ oder „Wer zum Teufel soll bei uns die Punkte machen?“ Sogar das grauenhafte Wort Abstiegskandidat machte die Runde...

Wie viele die vorher einen Obradovic als Spieler liebten, befürchteten er wäre zu unerfahren und zu unbeherrscht, um als Trainer an der Seitenlinie zu fungieren. Es wurden schon fast Wetten abgeschlossen ob er unter seinen neuen Armani Anzug immer noch sein Trikot trägt, um sich im letzten Viertel selber einzuwechseln. Es wurde auch erwartet, dass unser neuer Trainer vielleicht sogar schon vor dem ersten Sprungball sein erstes Technisches bekäme.

Dazu kam dann auch noch, dass die Regularien im FibaCup nur zwei Amerikaner in der Mannschaft erlaubten. Wir hatten aber vier im Team. Das kann doch alles nichts werden. Wie oft hieß es zu dem Zeitpunkt wir sollten den Startplatz abgeben damit ein Team starten kann, was wirklich dort gewinnen will und nicht jedes Spiel mit 20 Punkten verlieren wird.

Diese Kritik, Angst, Sorgen und Besserwisserei kannte man sonst nur vom FC. Aber wahrscheinlich haben wir auch beim Basketball zig Leute hier in Köln, die mehr Erfahrung und mehr Wissen vom Spiel haben als Baeck und Obradovic. Schade nur, dass alle diese geniale Leute nie Profi gewesen sind.

 

Es geht los

Unter diesem schlechten Stern fing nun die Saison an. Zu Anfang, wie eigentlich immer, die Heimspiele wurden gewonnen, Auswärts gegen vermeintlich schlechte Teams verloren. Bestätigten sich also die Befürchtungen der Kritiker? War diese Mannschaft zu schlecht, um oben mitzuspielen?

Was zeigte Köln teilweise für Spiele. Hohe Scores auf beiden Seiten. Dazu sofort erkennbar, ein vernünftiges Setplay mit Spielzügen, die das Herz eines jeden Taktikfanatiker höher schlagen lassen. Systeme mit zwei, drei Blocks hintereinander. Variables Ablegen auf die großen Spieler oder rein schneidende kleinere. Passstafetten in der Zone. Was für ein Traum manchmal.

Vollkommen überraschend spielte sich Köln im FibaCup förmlich in einen Rausch und erlangte den ersten Platz in der Vorrunde. Haben sich die Besserwisser in Köln und ganz Deutschland vielleicht doch geirrt?

Dann die Trennung von Darren McLinton. Er entsprach nicht den Erwartungen des Trainergespanns und war Gerüchten zu Folge mit Einsatzzeit und Spielweise nicht zufrieden. Für ihn und wegen Johannes Strassers Kreuzbandriss wurde Michael Jordan nachverpflichtet. Ob das nicht eine Gefahr bedeutete? Schließlich wurde er in Quackenbrück rausgeworfen.

Allein durch diese Dinge sollte die Gefühlswelt des Rheinenergiefans genügend geschwankt sein. Im November dann aber die nächste Meldung: Ademola Okulaja wird für Köln spielen. Er war zur Reha in Köln und trainiert seitdem wohl mit der Mannschaft mit. Allerdings hat er eine Option, jederzeit ins Ausland wechseln zu können.

Würde nun Köln vielleicht doch mit Jordan und Okulaja oben mitspielen können?

 

Die Sache nimmt ihren Lauf

Nach weiteren Siegen und einem immer besser werdenden Zusammenspiel der Mannschaft, konnte sich Köln im Laufe der Saison oben festsetzen. Zwar konnten sie die altbekannte Auswärtsschwäche nicht gänzlich ablegen, aber sie errangen sowohl knappe als auch überragende Siege. Zum Teil trat schon ein Bayern München Syndrom auf. Man spielt nicht gut, gewinnt aber trotzdem irgendwie. Aber was solls? Sieg ist Sieg und Köln siegte zum Glück oft genug. Besonders im FibaCup wurden weiterhin alle Erwartungen übertroffen. Es gelangen Siege gegen überragende Mannschaften. Siege nach 20 Punkten Rückstand. Spitzenbasketball auf höchstem Niveau war zu sehen. Leider geschah dies zu oft vor nur wenigen Zuschauern. Aber besonders diese Spiele wird niemand so schnell vergessen.

Mit jedem Erfolg wurden die Stimmen lauter, dass wir Meister werden könnten. Welch eine Wende... Vor der Saison schrieben dieselben Köln noch gänzlich ab und malten den Teufel an die Wand. Manch einer mag hier sagen, dass sich da ein Fähnchen im Wind dreht, und er hat wohl mit dieser Aussage Recht. Genauso wie ein Titus Ivory zu Anfang belächelt wurde, entwickelte er sich zum absoluten Publikumsliebling. Begeisternd spielte er sich in die Herzen der Fans, die ihn nun nicht mehr missen wollten.

 

Das neue Jahr beginnt

Zu Anfang des neuen Jahres ging es wie gewohnt weiter. Köln spielte zu Hause Bärenstark und die Festung „EnergyDome“ hielt stand (mit einer Ausnahme gegen Frankfurt). Auswärts waren die Spiele des Öfteren durchwachsen. Wird dies in den Playoffs ein Hindernis sein und ein Weiterkommen verhindern?

Entscheidendes drittes Spiel in Kiew: Köln verliert und scheidet im Viertelfinale des FIBA Cups aus. Was für eine Sensation wäre da fast gelungen? Es waren wirkliche Traumspiele zu dieser Zeit. Man hatte immer das Gefühl, mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Nur je stärker der Gegner wirkte, desto geringer die Chance auf einen Sieg stand, umso intensiver und beeindruckender spielten die Kölner. Und sie gewannen schon lange verloren geglaubte Spiele noch in den letzten Minuten.

Leider verließ Okulaja Köln fast so schnell wie er gekommen war in Richtung der Öl Millionen in Moskau. Bitter war die Enttäuschung in Köln. Verraten und verkauft fühlten sich die meisten. Natürlich kam direkt die Häme und der Spott aus anderen Teilen der Republik: „Köln hat sich wieder lächerlich gemacht“, „Der Ademola hat sie nur ausgenutzt“ und „Wie dumm können die Rheinländer nur sein“ waren nur einige Kommentare. Natürlich sank so auch die Erwartung der Fans wieder. Jetzt sollten wir doch zu schwach unter dem Korb besetzt sein und gegen Berlin und Bamberg kaum eine Chance haben.

<h1>Die PlayOffs</h1>

 

Viertelfinale

Im Endeffekt alles beim alten. Mal wird die Mannschaft hoch bejubelt, mal ist die Apokalypse nah. So sah es dann auch aus, als Köln 3. der Hauptrunde wurde und gegen Ludwigsburg im Viertelfinale ran musste. Die Meinungen divergierten wie immer stark. Von „Wir haben den stärksten Gegner bekommen“ bis zu „Wir müssen die 3:0 weghauen“. Im Endeffekt war Köln die einzige Mannschaft, die ihren Gegner gesweept hat. Köln bestach weiterhin mit gutem Teamplay und einer ausgeglichenen Mannschaftsleistung. Aber ob dies gegen Bamberg reichen würde?

 

Halbfinale

Gespannt erwartete nun jeder das Duell Köln gegen Bamberg im Halbfinale. Bamberg musste noch auf Hamann verzichtet, da er noch wegen einer Schlägerei in der Bonn-Serie gesperrt war. Das erste Spiel wurde knapp verloren und sofort ging jegliche Zuversicht in ein Weiterkommen verloren. Wie soll denn Köln Bamberg jetzt besiegen wenn Steffi wieder dabei ist?

Zweites Spiel der Serie. Köln spielte sich in einen richtigen Rausch. Gewann das Spiel sensationell mit 65:49! Eine wirklich beeindruckende Abwehrleistung von Köln. Bamberg war also doch schlagbar, und wer so überragend gewinnt der kann auch weiter kommen. Gleich im nächsten Spiel dann die Ernüchterung. Eine große dicke Klatsche in Bamberg, McElroy gesperrt, wirklich grauenvoll gespielt.

Das war's dann wohl... oder? Nein! Köln gewinnt das knappe vierte Spiel zu Hause und erzwingt so eine Entscheidung in Bamberg. Welch eine Leistung mal wieder. Und wie gespannt erwartet nun jeder das entscheidende Spiel in Bamberg. Ob da der Auswärtsfluch wieder zu schlagen wird? Über 400 Kölner reisen mit nach Bamberg. Dieses fünfte Spiel ist zu jeder Zeit spannend und ausgeglichen. Köln ohne McElroy, aber mit Willen und Mut. Beide Mannschaften spielen auf höchsten Niveau. 7 Sekunden vor Ende bringt Robert Garrett Bamberg in Führung. In allerletzter Sekunde aber: Nadjfeji schafft es den entscheidenden Dreier zu versenken und Köln so ins Finale zu schießen!

Finale

Wow, einfach nur unglaublich. Köln steht im Finale um die Deutsche Basketball Meisterschaft. Jetzt heißt es gegen Alba noch drei Siege einfahren und dann wäre es geschafft. Aber ob dies wirklich gelingen wird ist eine ganz andere Frage. Auch ohne ihren Topcenter sind die Berliner nicht zu unterschätzen. Und Köln fehlt im ersten Spiel auch noch McElroy.

Eigentlich rechnete wieder niemand mit Köln im ersten Spiel. Aber dennoch wurde auch dieses wieder gewonnen. Das zweite Spiel wurde schon als das Entscheidungsspiel angesehen. Mit einem 2 zu 0 Vorsprung würde man sicherlich Meister werden, bei einem 1:1 hätte Berlin wieder den Heimvorteil und wir keine Chance mehr. Berlin gewann das zweite Spiel und die Stimmung war wieder auf einem Tiefpunkt. Jetzt hatte also Berlin wieder alle Trümpfe in der Hand.

Zum dritten Spiel kamen gut 400 bis 500 Kölner Fans mit nach Berlin. Jedem war klar, dass dies ein Schlüsselspiel sein wird. Gewinnt Köln, können sie den Sack zu Hause zu machen. Verliert Köln hat Berlin zwei Chancen Meister zu werden. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an ein Spiel der extra Klasse. Erste Halbzeit: Köln ist für Berlin nicht mehr als ein Sparingspartner. Völlig neben sich stehend ließen sich die Kölner vorführen. 14 Minuten vor Schluss lag Köln noch mit 24 Punkten hinten. Und dies in fremder Halle in einem Finalspiel.

Aber wie schon so oft sollte auch dieses Mal die Mannschaft für eine Überraschung sorgen. Unermüdlich und schnell kämpften sie sich heran. Plötzlich waren es nur noch 15 Punkte Rückstand, dann 10 - puh wenigstens kriegen wir keine Klatsche -, dann 5 - wie kommt das denn jetzt -, dann 3 und schließlich der Ausgleich. Das Spiel war wieder offen. Die Kölner Mannschaft wollte einfach nicht aufgeben und kämpfte. So konnte sie das schon lange verloren geglaubte Spiel wieder spannend und offen gestalten. Zum Schluss: Offener Schlagabtausch, Spiel auf höchstem Niveau, wo jeder Fehler entscheiden kann.

Alba ist mit zwei Punkten vor, Mike Penberthy kommt an die Freiwurflinie. Zwei Würfe. Der Spieler, der an sich über 90% aller Freiwürfe trifft, kann somit eine Vier Punkte Führung für Alba herausspielen. Und das 8 Sekunden vor Ende. Der erste geht daneben! Nun kommt der zweite und auch dieser verfehlt sein Ziel. Noch 8 Sekunden und Köln hat den Ball. Titus bringt den Ball nach vorne und gibt ihn weiter an McElroy. Der entscheidet sich für einen Dreier in letzter Sekunde... und trifft!

Köln siegt! Nach dem das Spiel schon lange verloren geglaubt war, konnte die Mannschaft sich wieder ran kämpfen und auch dieses Spiel noch einmal drehen. Was für ein Herz hat doch diese Mannschaft. Einfach nur unglaublich, da fehlem einen einfach die Worte um diese Leistung zu beschreiben.

Meister

Nun findet also das vierte Spiel in Köln statt. An diesem 06.06.2006 kann Köln zum ersten Mal Deutscher Basketball Meister werden. Besser kann es doch für eine Kölner Mannschaft nicht laufen. Zu Hause im ausverkauften EnergyDome, eine Festung in der deutschen Basketballwelt, dazu noch ein Schnapsdatum. Dabei kann doch nichts schief laufen.

Und es lief nichts schief. Köln setzt sich Recht früh in diesem Spiel ab und konnte Berlin immer auf Distanz halten. Schon kurz vor Ende war klar, das Spiel und damit die Meisterschaft, gehört RheinEnergie Köln! Die Fans und die Mannschaft mussten natürlich noch ein klein wenig warten, bis endlich Kapitän Alexander Nadjfeji - in Unterwäsche - den Meisterpokal erhält und es nur noch pure Freude im EnergyDome gibt. Jeder stürmte aufs Feld und zusammen mit der Mannschaft wurde noch lange diese Meisterschaft gefeiert.

<h1>Nachbetrachtung</h1>

Was für eine turbulente Saison. Sie startete unter denkbar schlechten Sternen und endete mit einem neuen Stern am Meister Himmel. Endlich wieder ein Deutscher Meister in dieser sich selber so liebenden Stadt. Endlich ist RheinEnergie da angekommen wo sie fünf Jahre zu vor schon hin wollten: An die Spitze des deutschen Basketballs. Schon lange zu vor hat diese Mannschaft jedem Kritiker, Pessimisten, Besserwisser und Neider gezeigt, wie viel Kampf, Leidenschaft und niemals Aufgeben bringen kann. Auch wenn es selbstverständlich Niederlagen und Fehler gab, falsche Entscheidungen getroffen wurden, es auch hier und da Unstimmigkeiten gab, trotz allem war dies einfach nur eine unglaubliche Saison, die jedem, aber auch wirklich jedem, Kölner Basketballfan immer in Erinnerung bleiben wird. Man kann es nicht oft genug sagen, aber diese Mannschaft hat im wahrsten Sinne des Wortes den Meister Titel erkämpft. Von einem vermeintlichen Abstiegskandidaten zum Meister. Was für eine Sportgeschichte hier geschrieben wurde. Unbeschreiblich, unvergesslich und vor allem unglaublich. All diese Superlative und Standardsprüche erfassen nur grob was Köln und was die sympathische Mannschaft, der man vorher nichts zu getraut hatte, in diesem Jahr geleistet hat. Man kann wirklich nur vor allen Spielern und Verantwortlichen den Hut ziehen und danke sagen. Danke für diese geile Saison, diese erste Meisterschaft und super Spiele.

Wie sehr ist die Fangemeinschaft in diesem Jahr zusammengewachsen! Wie sehr hat sich das Bild des Vereins in Deutschland und in der Stadt geändert! Wie sehr sind die Erwartungen an die nächste Saison gestiegen! Ob dies alles wiederholt werden kann wird sich zeigen. Nur eins ist ganz klar: Für ein Jahr ist Köln Meister und für alle Ewigkeit wird es heißen:

Deutscher Meister 2005/2006: RheinEnergie Köln!

(Doppelpunkt)


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